Meine drei heute erwachsenen Söhne haben alle einen Handwerkerberuf erlernt, und es wäre mein absoluter Traumjob, in einem kleineren Handwerkerbetrieb „das Büro zu schmeissen“. Offerten und Rechnungen schreiben, die Buchhaltung führen, Controlling…, das wäre super. Ich bin ganz klar ein Zahlenmensch. Doch die Stellensuche gestaltet sich schwierig. Ich bin mit meinen 53 Jahren nicht mehr die Jüngste.

Als alleinerziehende Mutter habe ich früh gelernt, das Heft selber in die Hand zu nehmen, selbständig zu arbeiten und Verantwortung zu tragen. So habe ich, nebst drei Kinder gross zu ziehen, siebeneinhalb Jahre eine VOLG Filiale geleitet. Da bin ich oftmals auch an Wochenenden arbeiten gegangen, denn montags früh musste der Laden parat sein.

Dann kam der abrupte Stopp: Durch meine gehende und ständig stehende Tätigkeit erlitt ich eine Fasciitis Plantaris, eine Entzündung der Sehnenplatte, welche sich in der Fusssohle befindet.  Ich konnte nicht mehr über längere Zeit gehen, hatte starke Schmerzen in beiden Füssen. Ein Jahr lang habe ich dann „herumgedoktert“. Ich setzte zwei Monate die Tätigkeit aus, arbeitete anschliessend Teilzeit, doch, sobald ich längere Zeit stehen musste, und das gehört nun mal zum Verkauf, hatte ich sofort wieder diese stechenden Schmerzen. Schliesslich legte mir meine Ärztin nahe, ich solle meine Arbeit im Verkauf vergessen und mich bei der Invalidenkasse anmelden.

Ein Stärken- und Schwächen Profil, welches ich zwischenzeitlich auf der regionalen Berufsberatung erstellt hatte, bestätigte meine Neigung zu einem Beruf, welcher in erster Linie mit Zahlen zu tun hat. Die IV empfahl mir dann auch, eine kaufmännische Ausbildung mit Handelsdiplom in Angriff zu nehmen.

Die IV war bereit, diese zweijährige Ausbildung/Umschulung zu finanzieren. Sie knüpfte dies jedoch an die Bedingung, dass ich dies berufsbegleitend tue und mir eine Praktikumsstelle suche, um 60% in einem Betrieb Erfahrungen zu sammeln. Frau Metzger von der IV Berufsberatung wusste, dass Buchmann & Partner AG eine Praktikantin suchte. Ich bewarb mich und wurde kurze Zeit später zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Ich bekam den Job und arbeite in der Zwischenzeit bereits mehr als ein Jahr hier bei Buchmann & Partner AG und der Berufspersonal AG. Vor kurzem habe ich den ersten Teil meiner Ausbildung, dem Bürofachdiplom, mit Note 5 im Schnitt abgeschlossen.

Meine Praktikumsstelle war eigentlich für ein Jahr gedacht, doch, weil ich bis heute keine neue Stelle gefunden habe, kann ich hier weiterhin arbeiten. Meine Tätigkeit umfasst die Stellensuche für Wiedereingliederungskandidaten, das Erstellen von CVs und der übliche „Bürokram“ wie Post erledigen, Telefon abnehmen, Arbeitsrapporte kontrollieren und vieles mehr.

Bei Buchmann & Partner AG arbeite ich drei Tage die Woche. An einem Tag gehe ich in die HSO Handelsschule und an einem Tag lerne ich für die Schule. Momentan nimmt mich die sogenannte SA, die Selbständige Arbeit, eine Aufgabe der Handelsschule, sehr in Anspruch. Dabei untersuche und vergleiche ich die zwei Detailhandelsunternehmen VOLG und MIGROS im Konsumentenpreis. Nebst meinem Traumjob, in einem kleinen Handwerkerbetrieb die „rechte Hand“ des Chefs zu sein, könnte ich mir auch vorstellen, in einem grösseren Unternehmen im Verkauf/Innendienst zu arbeiten. Diesen Sommer möchte ich auch meine Französischkenntnisse vertiefen, um so meine Berufschancen zu verbessern.

Das Arbeitsklima bei der Buchmann & Partner und der Berufspersonal AG ist genial. Früher stand ich täglich unter einem extremen Druck und Stress. Heute arbeite ich nicht weniger, aber es ist kein unnötiger Druck mehr da, sondern vielmehr Respekt.